Die richtige Füllstandsmessung in der Verfahrenstechnik

3. März 2025

Warum die richtige Füllstandsmessung entscheidend ist

Die Wahl der richtigen Füllstandsmessmethode in der Verfahrenstechnik ist keine einfache Aufgabe. Unterschiedliche Anforderungen – ob chemische Beständigkeit, Prozessdruck, Temperaturschwankungen oder Bewegung im Medium – beeinflussen maßgeblich die Auswahl. Keine Methode ist universell perfekt, sondern die richtige Wahl hängt immer von den spezifischen Bedingungen der Anwendung ab. In diesem Beitrag beleuchten wir die wichtigsten Einflussfaktoren und erklären, welche Messprinzipien unter welchen Bedingungen optimal funktionieren.

Welche Faktoren bestimmen die Auswahl der Füllstandsmessung?

Die richtige Wahl beginnt mit einer klaren Analyse der Rahmenbedingungen. Die folgenden Fragen helfen, die passende Messmethode zu identifizieren:


  1. Welche physikalischen Eigenschaften hat das Medium?
  2. Ist die Flüssigkeit leitfähig oder nichtleitfähig?
  3. Handelt es sich um ein aggressives oder viskoses Medium?
  4. Treten Dampf, Schaum oder starke Turbulenzen auf?
  5. Welche Behälter- und Prozessbedingungen liegen vor?
  6. Offener oder geschlossener Behälter?
  7. Befindet sich der Tank unter Druck oder Vakuum?
  8. Gibt es Rührwerke oder starke Bewegungen?
  9. Wie hoch sind die Anforderungen an Messgenauigkeit und Wartungsaufwand?
  10. Muss die Messung hochpräzise sein?
  11. Sind hygienische Anforderungen zu berücksichtigen (z. B. CIP/SIP)?
  12. Welche langfristigen Wartungskosten fallen an?


Erst nach der Beantwortung dieser Fragen kann die Entscheidung für ein bestimmtes Messverfahren sinnvoll getroffen werden.

Vergleich verschiedener Messprinzipien: Wann eignet sich welche Methode?

1. Laufzeitmessung mit Radar – berührungslos und vielseitig

Radar ist eine der meistgenutzten Methoden für Flüssigkeitsmessungen in verfahrenstechnischen Anlagen. Es gibt freistrahlende Radar-Sensoren und geführte Radar-Systeme.


Geeignet für:

  • Tanks mit hoher Temperatur, hohem Druck oder aggressiven Medien
  • Medien mit starker Schaumbildung (geführtes Radar als bessere Wahl)
  • Große Messbereiche (bis 30 m und mehr)


Zu beachten:

  • Freistrahlendes Radar kann durch Dampf oder starke Turbulenzen beeinträchtigt werden
  • Geführtes Radar benötigt eine mechanische Befestigung im Behälter (ungeeignet bei starken Strömungen oder Rührwerken)

2. Differenzdruckmessung – robust, aber temperaturabhängig

Das Differenzdruckprinzip nutzt den hydrostatischen Druck, um die Füllhöhe zu bestimmen. Es eignet sich besonders für atmosphärische Tanks oder Behälter mit gleichbleibender Dichte.


Geeignet für:

  • Standard-Flüssigkeiten ohne starke Temperaturschwankungen
  • Prozessbehälter mit moderater Genauigkeitsanforderung


Zu beachten:

  • Temperatur- oder Dichteänderungen können zu Abweichungen führen
  • Hoher Wartungsaufwand durch regelmäßige Kalibrierung nötig

3. Kapazitive Füllstandsmessung – für leitfähige und nichtleitfähige Medien

Kapazitive Sensoren messen die Änderung der elektrischen Kapazität zwischen einer Sonde und der Behälterwand. Sie sind besonders vorteilhaft für hochviskose oder pastöse Medien.


Geeignet für:

  • Klebrige oder schaumige Flüssigkeiten
  • Kleine und mittlere Behältergrößen


Zu beachten:

  • Anhaftungen an der Sonde können zu Fehlmessungen führen
  • Medium muss eine ausreichende Dielektrizitätskonstante aufweisen

4. Wiegezellen – wenn Masse wichtiger ist als Volumen

Statt den Füllstand direkt zu messen, erfassen Wiegezellen das Gesamtgewicht des Behälters und errechnen daraus die Füllhöhe.


Geeignet für:

  • Anwendungen mit höchster Genauigkeit
  • Prozesse, bei denen sich die Dichte des Mediums ändert


Zu beachten:

  • Mechanische Entkopplung erforderlich
  • Höherer Installationsaufwand

5. Optische und Lasermessverfahren – präzise, aber empfindlich

Moderne optische Sensoren und Laser-basierte Systeme messen den Füllstand kontaktlos und mit hoher Präzision. Sie sind jedoch stark von Umgebungsbedingungen abhängig.


Geeignet für:

  • Hochpräzise Messungen in sauberer Umgebung
  • Anwendungen mit transparenten oder lichtdurchlässigen Medien


Zu beachten:

  • Empfindlich gegenüber Schmutz, Kondensat oder Schaumbildung
  • Hohe Anschaffungskosten

6. Radiometrische Messungen – für extreme Bedingungen

Wenn alle anderen Methoden versagen, kann radiometrische Messtechnik eingesetzt werden. Hierbei wird Gammastrahlung genutzt, um den Füllstand zu bestimmen.


Geeignet für:

  • Hochtemperatur- und Hochdruckbehälter
  • Korrosive, giftige oder extrem aggressive Flüssigkeiten


Zu beachten:

  • Strenge regulatorische Anforderungen
  • Hohe Kosten für Genehmigungen und Wartung

Schritt-für-Schritt: So wählen Sie die richtige Füllstandsmessung

Schritt 1: Medienanalyse

Physikalische und chemische Eigenschaften bestimmen


Schritt 2: Prozessbedingungen prüfen
Druck, Temperatur, Rührwerke und Hygieneanforderungen


Schritt 3: Messgenauigkeit festlegen

Hochpräzise oder grobe Überwachung?


Schritt 4: Wartungsaufwand bewerten

Langfristige Betriebskosten einbeziehen


Schritt 5: Technische Machbarkeit klären
Einbau, Sensorpositionierung und Datenanbindung berücksichtigen


Jede Messmethode hat ihre Stärken und Schwächen – eine fundierte Analyse der Anforderungen ist der Schlüssel zur optimalen Auswahl.

Fazit: Keine Universal-Lösung, sondern individuelle Anpassung

Die Wahl der richtigen Füllstandsmessung erfordert technisches Know-how und eine tiefgehende Prozessanalyse. Während Radar- und Differenzdruckmessungen universell einsetzbar sind, bieten kapazitive oder optische Verfahren spezifische Vorteile für besondere Medien. Die optimale Lösung hängt immer von den Prozessbedingungen, der Messgenauigkeit und den Wartungsanforderungen ab.


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